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«Beinahe-Bundesrat» Arthur Schmid feierte kürzlich den 95. Geburtstag

Feb. 2, 2023

Da soll noch einer behaupten, Politiker würden nicht alt! Arthur Schmid durfte kürzlich seinen 95. Geburtstag feiern. Er war einst ein beliebter Regierungsrat und ein Fast-Bundesrat.

 

Arthur Schmids Leben und Wirken sind ein wichtiger Teil der neueren Geschichte unseres Kantons und der Aargauer Sozialdemokratie. Als Sohn eines Politikers und Journalisten wurde Arthur Schmid 1928 in Oberentfelden geboren. Sein Vater war Redaktor der sozialdemokratischen Tageszeitung «Freier Aargauer» und sass bei der Geburt seines Sohnes seit acht Jahren im Nationalrat.

Die Welt war damals eine ganz andere. Elf Jahre nach der Geburt von Arthur Schmid brach der 2. Weltkrieg aus. Die Sozialdemokratie rang um ihre Position in der bürgerlichen Schweiz. Generalstreik und Russische Revolution lagen noch nicht lange zurück und waren für viele Parteimitglieder prägende Erfahrungen.

 

In die Fussstapfen des Vaters getreten

In die Fussstapfen eines starken Vaters zu treten, ist nicht immer einfach. Arthur Schmid ist dies gelungen. 1959 nahm er als Nachfolger seines Vaters für zwanzig Jahre im Nationalrat Einsitz. Nach einigen Jahren als Mitglied des aargauischen Obergerichts leitete er von 1965 bis 1993 während 28 Jahren das «ED», wie man das Erziehungsdepartement im Kanton damals noch nannte.

 

Sechsmal Landammann

Sechsmal war er für jeweils ein Jahr Aargauer Landammann. Und während vier Jahren (1970 bis 1974) stand Arthur Schmid an der Spitze der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. 1973 war er der offizielle Bundesratskandidat der SP. Gewählt wurde der Solothurner Willi Ritschard. Arthur Schmid hat wie wenige Zeitgenossen die Entwicklung des Aargaus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mitgeprägt. Unser Kanton und die Sozialdemokratische Partei des Kantons Aargau haben ihm viel zu verdanken, denn er hat die Entwicklung im ED von der alten Schulzeit hin zur modernen Schule der Zukunft wesentlich geprägt.

 

Turbulente Bundesratswahlen mit Arthur Schmid als Mitopfer

Zur Bundesratswahl im Dezember 1973 kam es wegen der Rücktritte der Bundesräte Hans-Peter Tschudi (SP), Roger Bonvin (CVP) und Nello Celio (FDP). Dadurch wurde eine ausserordentliche Wahl durch die Vereinigte Bundesversammlung nötig. Die offiziellen Kandidaten waren Arthur Schmid für die SP, Enrico Franzoni für die CVP sowie Henri Schmitt für die FDP. Schliesslich wurde keiner dieser drei offiziellen Kandidaten gewählt. Es war zweifellos eine der denkwürdigsten Bundesratswahlen in der Schweizer Geschichte überhaupt.

 

Schmid schon im 1. Wahlgang geschlagen

Bereits der 1. Wahlgang erbrachte nicht den von der SP gewünschten Wahlausgang. Ihr offizieller Kandidat war eben Nationalrat ­Arthur Schmid aus Oberentfelden. Nicht er, sondern der populäre Solothurner Nationalrat Willi Ritschard wurde als grosse Überraschung mit knapper Mehrheit bereits im ersten Wahlgang zum Bundesrat gewählt.

 

Wollte man Leo Schürmann verhindern?

Es waren nicht die Linken, die den Gewerkschafter Ritschard im Dezember 1973 in den Bundesrat wählten. Zuhause in Luterbach schaute sich der Solothurner Finanzdirektor die Wahl im Fernsehen an. Eine Polizeieskorte begleitete ihn dann zur Annahme der Wahl nach Bern. Gewählt hatten ihn an diesem Tag die Bürgerlichen. Ritschards Wahl war auch ein Streich gegen den zweiten gros­sen Solothurner Politiker dieser Zeit: Mit der Wahl des Solothurners Willi Ritschard hatte der Oltner CVP-Nationalrat Leo Schürmann, damals Preisüberwacher und später SRG-Generaldirektor, wegen der damaligen Kantonsklausel (nur ein Bundesrat pro Kanton) keine Chance mehr, Bundesrat zu werden. Er war einer der Favoriten für den ebenfalls an diesem Tag zu wählenden CVP-Bundesratssitz. Aber weder er noch sein damaliger CVP-Mitkandidat Enrico Franzoni wurden in der Folge gewählt, sondern der Zuger Hans Hürlimann. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei und so war es nicht weiter verwunderlich, dass auch der damalige FDP-Kandidat Henri Schmitt aus Genf nicht gewählt wurde. Ihm wurde der Waadtländer Georges-André Chevallaz mit deutlicher Mehrheit vorgezogen.

 

Willi Ritschard war würdiger Ersatz

Willi Ritschard, der erste «Büezer» im Bundesrat, wurde ein sogenannter Jahrhundertbundesrat. Seine Popularität wuchs im Amt enorm. Glück brachte ihm das Amt aber nicht. Am 16. Oktober 1983 brach Ritschard beim Wandern auf dem Grenchenberg tot zusammen. Nur wenige Tage zuvor hatte der damals 65-jährige Finanzminister seinen Rücktritt angekündigt.

Aus: Bulletin beider Entfelden

Dieser Text wurde erstmals von Markus Schenk im „Bulletin beider Entfelden“ veröffentlicht. Wir danken herzlich für die Genehmigung zur Weiterverwendung auf unserer Website.

Zudem wurde zu Arthur’s 90. Geburtstag eine persönliche Gratulation von unserem damaligen Regierungsrat Urs Hofmann in der Aargauer Zeitung veröffentlicht, diese ist noch immer hier zu finden: Aargauer Zeitung

 

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